NV Thalwil

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01.06.2003: Exkursion im Bergsturzgebiet Goldau

Die Exkursion vom 1. Juni 2003 führte uns in das Bergsturzgebiet von Goldau. Die gewaltige Naturkatastrophe im Jahr 1806 hinterliess ein riesiges Trümmerfeld, welches in den letzten 200 Jahren nach und nach von Pflanzen zurückerobert wurde. Das Gebiet ist biologisch äusserst wertvoll. Insbesondere wegen seines Orchideenreichtums ist es bei Botanikern und Pflanzenfreunden sehr beliebt.

Bereits im Aufstieg begegneten wir ersten Orchideen. Unter ihnen der Vogelnestwurz (Neottia nivus-avis), der zwar mit seiner unansehlichen Farbe kaum der Vorstellung einer Orchideen entspricht, nichtsdestotrotz aber zu dieser Pflanzenfamilie zählt, die weltweit über 25'000 Arten umfasst.



In der Schweiz trifft man 70 Orchideenarten an. Viele von ihnen sind stark gefährdet, da sie äusserst spezialisiert sind und empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraumes reagieren. Dem Frauenschuh (Cypripedium calceolus) begegnet man im Mittelland nur noch äusserst selten.

Alle Orchideenarten zeichnen sich durch einen sehr speziellen Blütenbau aus. Die Blütenform dient dabei einer optimalen Bestäubung der Orchidee. Jede Art ist spezialisiert auf bestimmt Bestäuberinsekten. Der Frauenschuh hat mit einem seiner Blütenblatter eine Fliegenfalle gebaut. Eine gefangenes Insekt findet nur einen einzigen Ausweg, und dieser führt direkt an den Staubbeuteln vorbei.



Zu den verrücktesten Blütenfomren zählen jene der Ragwurzarten. Der Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) täuscht eine weibliche Fliege vor. Männliche Fliegen fallen darauf herein und werden beim Kopulationsversuch mit einer Pollenladung versehen, mit der sie dann die nächste Blüte bestäuben.

Neben den botanischen und ornithologischen Leckerbissen ist das Bergsturzgebiet auch landschaftlich atemberaubend und für jene, die zum ersten Mal hier waren, war auch gleich klar, dass es nicht das letzte Mal sein sollte.